Reisebericht mit den nächsten Hundert

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Nachdem der Bürgermeister noch fünf Minuten gelesen hatte, ohne dass ein Piepsen ihn aus dem Schlaf gerissen hätte, änderte sich zum zweiten Mal in dieser Woche seine Gesichtsfarbe in sehr blass. Das war neuer Rekord bei ihm. Umso mehr, da er verglichen mit der Blässe, die nun von ihm abstrahlte, beim Besichtigen des Leichenfundortes noch so quicklebendig ausgesehen hatte als käme er gerade vom Joggen. Als er nach weiteren fünf Minuten seinen Kreislauf allmählich wieder beim Arbeiten spürte, griff er zum Hörer. „Du sag mal, könntest Du noch auf einen Sprung ins Rathaus kommen?“
„Sicher“, antwortete Wunderlich, „meine Frau ist ohnehin heute Abend bei ihrem Qi-Gong-Kurs und unser Panzer im Keller schon so gut wie eingemottet. Aber wieso, was ist denn passiert?“
„Als ich mich zur Wahl gestellt habe, habe ich mit allem möglichen gerechnet, das auf mich zukommen könnte“, erwiderte der Rathauschef, „aber nicht damit. Das hier ist eine Nummer zu groß für mich. Was im übrigen für die ganze Stadt gelten dürfte. Ich glaube, wir brauchen dringend Deine polizeiliche Hilfe.“      

Hundertfünfzig an einem langen Wochenende - so viele Fotos habe ich, soweit ich mich erinnere, in meinem ganzen Leben noch nicht von meiner Heimatstadt gemacht. Spannend, wie viele Details man zwar ungefähr, aber eben doch nicht genau kennt. Aber nach langen Spaziergängen, vielen Beobachtungen und Gesprächen mit dem (echten) Bürgermeister ist dieser Mangel nun ja beseitigt. Und so sind nach dem terminreichen und doch entspannten Kurzurlaub zuhause nun 200 Seiten der Flussperlmuschel geschafft.

   
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